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Gegenübertragung

Der Begriff beschreibt die (oft unbewusste) Gefühlsreaktion eines Therapeuten, Mitarbeiters des therapeutischen Teams oder ganz allgemein einer beliebigen Person auf die spezifische Art und Weise der Übertragung  eines anderen (Patienten/Klienten). Sofern die Gegenübertragung  dem professionellen Mitarbeiter reflektierbar wird, erleichtert sie es oft, sich klinisch ein Urteil zu bilden. Eine nicht reflektierbare Gegenübertragung wird schnell zum Störungsfaktor, der mit Hilfe von Analyse,  Selbstanalyse oder Supervision geklärt werden sollte. Handelt z.B. ein Therapeuten aufgrund eines durch Gegenübertragung ausgelösten Affekts unbedacht („Gegenübertragungsagieren“), kann dies die Beziehung zerstören.

Mimikry-Syndrom

Selbstmisshandlungen, die heimlich und meist unbewusst vorgenommen werden und zu unsinnigen medizinischen Maßnahmen führen. Mimikry -Patienten müssen leugnen, dass sich selbst geschädigt haben. Denn sie möchten als organisch krank und nicht psychisch gestört gelten. Der Aufdeckung ihrer Selbstschädigung setzen sie starke und unbewusste Widerstände entgegen. Sehr häufig handelt es sich bei Mimikry-Patienten um Angehörige medizinischer Berufe. Wenn man sie unsensibel und/oder vorwurfsvoll mit ihrem Verhalten konfrontiert, reagieren sie meist heftig (bis hin zum Suizidversuch!).

Fallbeispiel:

Bei einer 37jährigen Frau, die in ihrer Kindheit fortgesetzten sadistischen Misshandlungen durch ihre Mutter ausgesetzt war, musste das Kniegelenk wegen einer Unfalls operiert werden. In der Folgezeit entwickelten sich am Kniegelenk die Symptome einer Artefakterkrankung: Erst nach verschiedenen diagnostischen Interventionen stellte sich heraus, dass die Patientin in Urin aufgeschwämmten Kot in das betroffene Kniegelenk spritzte und so dort für eine dauerhafte Entzündung sorgte. Als der behandelnde Chirurg dies aufdeckte, reagierte er wütend und konfrontierte die Patientin mit der fortgesetzten "Sabotage" seines Therapieerfolges. Diese unternahm darauf hin einen schweren Suizidversuch, indem sie sich an Krücken gehend in den laufenden Straßenverkehr stürzte.

Münchhausen-Syndrom

Nach dem Lügenbaron benanntes uneinheitliches Krankheitsbild, bei dem die Betroffenen dramatisch ihre Krankheitszeichen demonstrieren, um so eine Krankenhausbehandlung zu erreichen. Die jeweiligen Symptome werden bildreich mit einer passenden Vorgeschichte verbunden. Die Patienten stellen sich oft unter falschem Namen vor und berichten Lebensgeschichten, die mit ihnen selbst wenig zu tun haben. Selbst vor schmerzhaften Behandlungen (wie Operationen) scheuen die Patienten nicht zurück. Häufig brechen sie eine Behandlung plötzlich ab und begeben sich in das nächste Krankenhaus, wo sie erneut nach dem beschriebenen Schema vorgehen.