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Simulationen

Ein psychisch Gesunder erfindet oder unterhält körperliche Krankheitserscheinungen, um Vorteile zu erlangen, z.B. Rente, Entschädigung, Vermeidung von Prüfungen etc.

Sozialanamnese

Erfragung und Beschreibung der sozialen Verhältnisse, in denen ein Patient lebt. Im Unterschied zur rein organischen Anamnese betrachtet die Sozialanamnese das Umfeld des Patienten. Denn psychische Erkrankungen und Störungen werden auch maßgeblich von dem Milieu beeinflusst, dem der Patient entstammt.

Spaltung

Abwehrmechanismus, bei dem zwei oder mehrere miteinander im Konflikt stehende Ich-Zustände, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, abwechselnd die Szene beherrschen.

Beispiel:

Ein Patient gibt sich distanziert freundlich, während er sich gleichzeitig nach Liebe sehnt. Dabei schwankt er zwischen Verhaltensweisen, bei denen er sich einerseits sadistischen Vaterfiguren unterwirft, während er andererseits (z.B. durch Alkoholexzesse) gegen väterlich wirkende Personen protestiert.

Symbiotische Beziehung

Beziehung zwischen zwei Lebewesen, die nicht ohne einander leben können. Bei Kindern handelt es sich um eine normale psychische Entwicklungsphase, die im ersten Lebensjahr durchlaufen wird. In dieser Phase ist das Kind von der Mutter abhängig. Das  eigene Selbst kann es nur undeutlich von der Mutter unterscheiden. In pathologischem Sinne spricht man von „symbiotischer Beziehung“, wenn zwei Menschen in extrem neurotischer Form von einander abhängig sind. Symbiotische Beziehungen zwischen Eltern und älteren Kindern erschweren einen altersgemäßen Ablösungsprozess oft erheblich.

Beispiel:

Zwei Partner versorgen sich in ihrer Beziehung derart, dass sie sich gegenseitig voneinander abhängig machen und die Grenzen zwischen beiden verschwimmen. Im Fall einer Trennung entsteht das Gefühl, ohne den anderen nicht leben zu können. In symbiotischen Beziehungen lebende Menschen verleugnen beziehungsregulierende und abgrenzende Aggressionen. Bei einer Trennung oder dem Tod eines Partners ist der Zurückbleibende kaum fähig zu trauern.

Trauma

Bei einem psychischen Trauma erlebt der Betroffene schmerzhaft, dass ihm Möglichkeiten fehlen, bedrohliche Situationen und Erlebnisse zu bewältigen. Indem er erfährt, wie ohnmächtig, hilflos und schutzlos er ausgeliefert ist, werden sein Selbstverständnis und sein Erleben der Außenwelt nachhaltig erschüttert.  

Übertragung

Die "Übertragung" ist eine spezifische Illusion, die sich nicht nur während einer psychotherapeutischen Behandlung, sondern auch im Alltagsleben in der Beziehung zu einer anderen Person einstellt. Hierbei stattet der "Übertragende" sein Gegenüber mit tatsächlichen oder illusionären Eigenschaften einer Person aus, die für ihn in der Vergangenheit oder Gegenwart bedeutsam war oder noch ist.

Beispiel: Ein Patient empfindet die Therapeutin wie eine Mutter, Schwester, Geliebte usw. Im Laufe einer Therapie können die Übertragungen wechseln, so dass ein Therapeut unabhängig von seinem Alter und Geschlecht mehrere Übertragungsangebote bekommen kann.

Verleugnung

Abwehrmechanismus, bei dem objektive Sinneseindrücke als unwahr oder nicht vorhanden hingestellt werden, vor allem, wenn sie traumatisierend wirken.

Beispiel:

Da eine Patientin in ihrer Kindheit traumatische Trennungen erleben musste, verleugnet sie beharrlich die Untreue ihres Partners. Aufgrund der schlechten Kindheitserfahrungen würde ihr eine Trennung vom Partner erneut wie eine vernichtende Katastrophe erscheinen.

Wiederholungszwang

Von Wiederholungszwang spricht man, wenn jemand ein bestimmtes Erlebnis (meist handelt es sich um eine Verletzung) immer wieder neu mit verschiedenen Interaktionspartner in Szene setzt. Die Erinnerung an eine Situation oder Beziehungskonstellation wird also ausgelebt und nicht im herkömmlichen Sinne erinnert.

Beispiel: Der Betreffende erinnert sich nicht bewusst an die früheren Konflikte mit seinem autoritären Vater; stattdessen lehnt er sich unterschwellig gegen seinen Therapeuten auf, gestaltet er die Beziehung zu männlichen Vorgesetzten durchweg konflikthaft, provoziert er Konflikte mit dem Schwiegervater und lehnt er sich generell gegen Institutionen auf (etwa indem er wegen Konflikten häufig kündigt).